Pilgern eine interreligiöse Bewegung - Pilgern im Dekanat Rottenburg

Allen Weltreligionen ist das Pilgern gemeinsam. Menschen pilgern an heilige Orte. Der Hl. Augustinus schreibt: „Das unruhige Herz ist die Wurzel der Pilgerschaft. Im Menschen lebt die Sehnsucht, die ihn hinaustreibt aus dem Einerlei des Alltags und aus der Enge seiner gewohnten Umgebung. Immer lockt das Andere, das Fremde. Doch alles Neue, das er unterwegs sieht und erlebt, kann ihn niemals ganz erfüllen. Die Sehnsucht ist größer... das ganze Leben ist letztlich ein Pilgerweg.“

Pilgern ist Ausdruck der Bereitwilligkeit, ausgefahrene Wege zu verlassen und ein Weg Gottes zu suchen, den Spuren Christi und seiner Jünger zu folgen und festen Fuß zu fassen. (Impulse Tomas Halik, Prag)

Es muss nicht immer der weite Weg zu einem der großen christlichen Pilgerorte wie Santiago de Compostella, Jerusalem oder Rom sein. Auf den Pilgerwegen unserer Region führen Routen des Jakobuswegs nach Spanien, der Martinusweg von Ost nach West und der Meinradpilgerweg von Sülchen in die Schweiz. Heilige Orte als Pilgerziele finden wir aber überall: Unsere Kirchen und Kapellen, christliche Wegzeichen oder auch Sehenswürdigkeiten in der Natur: Sie laden ein zum Staunen und Meditieren, Danken und Bitten, oder auch um zu sich selbst zu finden und Spuren Gottes zu entdecken.

Wer genügend Kondition und Möglichkeiten hat, entscheidet sich für die großen Ziele in Europa. Für andere Menschen führen die vielfältigen regionalen Pilgerangebote mit überschaubaren Strecken zu nicht weniger segensreichen Orten. Routen können maßgeschneidert ausgewählt werden. Pilgernde Menschen fühlen sich nach Pilgertagen wieder frisch gestärkt mit neuer Hoffnung, auch durch die Weggemeinschaft mit anderen. In unserer Region finden sich an vielen Wegen so manch sehenswürdige „Denkmale“ mit überraschenden Details. Von ihnen geht unerwartet eine Inspiration aus, wenn sie denn beachtet und gedeutet wird.

Jede der Kirchen in der Region bietet mehr als kühlende Sitzplätze an heißen Tagen. Malereien und Darstellungen, die Kunst in den sakralen Räumen können Menschen inspirieren, bieten Stille und spirituelle Momente. Viele christliche Wegzeichen im Landkreis bezeugen Glaubensgeschichten von Menschen aus früheren wie aktuellen Zeiten. Sie sind wie „Mutmacher“ auf dem Weg durch den Alltag, vielleicht auch für unsere Zeit mit ihren unterschiedlichen Herausforderungen.

Durch das Dekanat Rottenburg führen große europäische Pilgerwege, ausgeschildert mit der Muschel des Jakobusweges oder mit dem roten Schild des Martinuswegs, sowie mit örtlichen Wanderzeichen. Eine Übersicht befindet sich am Dom St. Martin, wo sich die Pilgerwege kreuzen und in alle Richtungen führen.

Anhand der Pilgerführer gedruckt oder im Onlineformat lassen sich leicht Rundwege nach eigenen Kriterien planen, Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs berücksichtigen und spirituelle Orte der Heimat entdecken. So können sich Familien und Gruppen, sowie Einzelne sich einen eigenen Pilgertag gönnen.

Jakobusweg: Von Kirchentellinsfurt über Einsiedel, Bebenhausen, Tübingen, über den Spitzberg nach Wurmlingen und Rottenburg. Am Marktplatz Abzweigung übers Weggental nach Seebronn, Wolfenhausen, Liebfrauenhöhe, Rohrdorf, Mühlen, Horb zur einmaligen sehenswerten Jakobuskirche in Ihlingen, und weiter über den Schwarzwald Richtung Freiburg.

Oder von Rottenburg, über Schadenweiler, an Weiler vorbei nach Dettingen, Hechingen, Balingen nach Beuron und an den Bodensee. Einladend ist der Wanderweg von Rottenburg über Bad Niedernau durch die Teufelsschlucht hinauf nach Frommenhausen mit seiner erstklassigen Pilgerherberge, geschmückt mit dem sehenswerten Gemälde eines Pilgers des Malerpfarrers Sieger Köder. Von dort führt der Jakobusweg nach Hirrlingen .

Martinusweg: Von Hechingen über Hirrlingen (St. Martin) kommend, über Hemmendorf zur Kirche in Weiler, am Kreuzerfeld vorbei zur Altstadtkapelle und hinunter auf dem Kreuzweg zum Preussichen, dann am Neckar entlang vorbei an St. Moriz  zum Dom St. Martin.

Oder: Von Kirchentellinsfurt zum Wanderheim „Rauhalde“ unterhalb von Pfrondorf nach Lustnau durch Tübingen über den Spitzberg zur Wurmlinger Kapelle, weiter nach Rottenburg. Weiter führt der Martinusweg über den Eugen-Bolz-Platz durchs Weggental nach Eratskirch an den Heuberger Höfen vorbei nach Wendelsheim zur Aussichtsplatte hinauf, entlang am Märchensee über die Tannenrainkapelle nach Oberndorf und weiter über Altingen nach Herrenberg.

Übrigens: Wer in Rottenburg, der „Martinsstadt“, vom Eugen-Bolz-Platz in den Dom St. Martin pilgert, kann bis zum Erreichen des Domportals 7 Darstellungen des Hl. Martin entdecken und im Dom selber weitere 4 mal St. Martin begegnen, wobei das Martinusfenster im Chor als eine Darstellung gezählt wird. Wer findet alle die Plätze mit St. Martin?

Meinradweg: Der Radpilgerweg führt über Beuron in die Schweiz zum  Kloster Einsiedeln.

Hinweise:
Informative Pilgerausweise mit Feldern für Pilgerstempel für den Martinusweg und den Meinradweg gibt es in den Rottenburger Pfarrämtern. Stempel sind in manchen Kirchen und Kapellen zu finden, sowie bei den Rottenburger Pfarrämtern und bei der WTG. Damit können die Pilgerwege dokumentiert werden. Pilgerausweise für den Jakobusweg sind nur bei den Jakobuspilgergemeinschaften erhältlich (siehe Internet).

21.08.2023

Rolf Seeger, Pilgerbauftragter  im Dekanat Rottenburg

Das Dekanat würde sich sehr über Personen freuen, die Interesse am Thema Pilgern haben. Bitte wenden Sie sich an die Dekanatsgeschäftsstelle, wenn Sie Lust hätten den Pilgerbeauftragten Rolf Seeger zu begleiten und/ oder zu unterstützen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und Ideen willkommen.